3. FORDERUNGEN UND KRITERIEN AN DIE HSB
3.1 Forderungen an ein Hochleistungs-Schnellverkehrssystem
An ein Hochleistungs-Schnellverkehrssystem werden von der Volkswirtschaft, den zukünftigen Benutzern, des zukünftigen Betreibers und der Umwelt ganz bestimmte Forderungen gestellt, die es zu analysieren gilt. Die Forderungen sind in der Tabelle 1 zusammengestellt:
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FORDERUNGEN |
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GRUNDFORDERUNGEN |
FOLGERUNGEN |
DARAUS RESULTIERENDE FORDERUNGEN |
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Möglichst hoher individueller Nutzen |
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Befriedigung der individuellen Nachfrage nach Transportleistungen hinsichtlich Qualität und Quantität mit möglichst geringen individueller volkswirtschaftlichen Kosten
Rechtzeitige Bereitstellung der erforderlichen Transportkapazitäten für vorhandene und latente Verkehrsbedürfnisse, Verteilung der Transportaufgaben auf die volkswirtschaftlich dafür am besten geeigneten Verkehrssysteme und Weiterentwicklung der Verkehrssysteme in Richtung höherer Unfallsicherheit, kürzerer Transportzeiten und besserer Erschließung des Raumes
Möglichst hoher individueller Nutzen
Kostendeckung
Umweltschutz
Befriedigung der individuellen Nachfragen nach Transport-Leistungen hinsichtlich Quantität und Qualität mit möglichst geringen individuellen Gesamttransportkosten
Erlöse mindestens in Höhe der betriebswirtschaftlichen Kosten
Keine Gefährdung, Schädigung, Behinderung und Belästigung der Umwelt
Volle Integration in die bestehenden Verkehrssysteme, leistungsfähige Zubringerwege, schnelle und bequeme Übergangsmöglichkeiten, Häufigkeit der Abfahrten, schnelle Be- und Entladung, kurze Transportzeiten, guter Service, hohe Sicherheit, hohe Zuverlässigkeit, geringe Kapital-, Unterhaltungs- und Betriebsführungskosten und hohe Auslastung
Das Produkt aus Aufkommen und Tarif mindestens gleich der Summe aus Kapital-, Unterhaltungs- und Betriebsführungskosten
Sicheres, wenig Raum beanspruchendes, emissionsfreies System, in die Umweltstruktur und das Landschaftsbild einpassungsfähig
1) Quelle: Schriftenreihe des Bundesministeriums
für Verkehr - Heft 42 - HSB, Seite 16
Hoermann-Verlag, Hof/Saale 1969
3.2 Kriterien zur Erfüllung der Forderungen an ein Hochleistungs-Schnellverkehrssystem
Um die unter Punkt 3.1 aufgestellten Forderungen zu erfüllen müssen Kriterien aufgestellt werden, die Lösungsmöglichkeiten bieten. Die Tabellen 2 und 3 zeigen Kriterien zur Erfüllung der Forderungen auf.
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KRITERIEN ZUR ERFÜLLUNG DER FORDERUNGEN |
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VERKEHRSAUFKOMMEN |
VERKEHRSABWICKLUNG |
BETRIEBSFÜHRUNG |
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Förderung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung, Entlastung der Luft- und Fernstraßen, d.h. Beförderung von - Personen und - automobilen Gütern
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Abwicklung des zu- und abfließenden Verkehrs mit geringem Personalbedarf, geringem Flächenbedarf, und ohne Verschlechterung des Verkehrsflusses in den bestehenden Systemen
Geringer Personalbedarf. geringer Energieverbrauch große Leistungsfähigkeit, kurze Transportzeiten, hohe Zuverlässigkeit und hohe Betriebssicherheit
Beförderung aller Verkehrsarten
Verkehrsaufkommen, das einen hohen Transportpreis zahlen kann, einfach und schnell abzufertigen, zu verladen und zu befördern ist, sich in den Verkehrsarten bei der Beförderung gut kombinieren läßt und das System zeitlich und räumlich möglichst gleichmäßig auslastet
Eindämmung des Straßen- und Luftverkehrs
Kurze und bequeme Übergänge, einfache und rasche Abfertigung, geringe Wartezeiten, kurze Beladezeiten, guter Service, kurze Entladezeiten und niedrige Transportpreise
Einfachheit und Schnelligkeit der Abfertigung und der Be- und Entladung, geringer Personalbedarf und hohe Sicherheit beim Einziehen des Transportentgeltes
Geringe Belästigung der Umwelt
Häufigkeit der Abfahrten, hohe Transportgeschwindigkeiten. Angemessenheit des Komforts, hohe Zuverlässigkeit, große Flexibilität, große Leistungsfähigkeit. Geringer Betriebsmitteleinsatz und -verbrauch, hohe Auslastung und hohe Betriebssicherheit
Geringer Personalbedarf, hohe Zuverlässigkeit, große Flexibilität, große Leistungsfähigkeit, hohe Auslastung, geringer Betriebsmitteleinsatz und -verbrauch und gute Abschirmung gegen Einflüsse der Umwelt
Hohe Betriebssicherheit
1) Quelle: Schriftenreihe des Bundesministeriums
für Verkehr - Heft 42 - HSB, Seite 17
Hoermann-Verlag, Hof/Saale 1969
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KRITERIEN ZUR ERFÜLLUNG DER FORDERUNGEN |
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INFRASTRUKTUR |
FAHRZEUGTECHNIK |
INFORMATIK |
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Wahl der Linienführung und Lage der Verknüpfungspunkte mit anderen Verkehrssystemen zur Erreichung eines maximalen volkswirtschaftlichen Nutzens, geringer Flächenbedarf, große Leistungsfähigkeit, hohe Betriebssicherheit, Eignung für hohe Geschwindigkeiten
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Linienführung ohne Umwege, Trassierung für hohe Geschwindigkeiten, angenehm zu befahrende Trassen, große Leistungsfähigkeit, Bequemlichkeit der Anschlüsse an die anderen Verkehrssysteme, Einfachheit und Übersichtlichkeit der Abfertigungsanlagen
geringe Ausbaugeschwindigkeit der Strecken (Kosten), Einfachheit und Normierung der Bauwerke und -teile, Unterhaltungsarmut der Anlagen und Zuverlässigkeit der Anlagen
Eignung zum Transport der speziellen Verkehrsarten, Eignung für hohe Geschwindigkeiten, hohe Betriebssicherheit, geringer Verbrauch an Naturschätzen, geringer Personalbedarf, Angemessenheit des Komforts und Emissionsfreiheit
Eignung zum Transport der speziellen Verkehrsarten, Eignung für hohe Geschwindigkeiten, Angemessenheit des Komforts, Eignung für schnelle Be- und Entladung, Kompatibilität mit bestehenden Verkehrssystemen und hohe Zuverlässigkeit
Einfachheit der Fahrzeuge, geringer Energieverbrauch, Unterhaltungsarmut, große Flexibilität, hohe Laufleistungen und holte Betriebssicherheit
Hohe Betriebssicherheit, große Leistungsfähigkeit, geringer Energiebedarf, Verknüpfungsfähigkeit mit anderen Informatik-Netzen
Hohe Betriebssicherheit, Zuverlässigkeit und Flexibilität der Steuerung der Fahrzeugbewegungen, Leichtverständlichkeit, Zuverlässigkeit und Flexibilität der Steuerung der Ladungsbewegungen, Übersichtlichkeit, Bequemlichkeit und Schnelligkeit der Abfertigung und Leichterreichbarkeit und Zuverlässigkeit der Anlagen zum Übertragen von Nachrichten. Einfachheit der Anlagen, Unterhaltungsarmut und geringer Personalbedarf
INFRASTRUKTUR
Erschließung der Gebiete mit hohen Verkehrsaufkommens durch entsprechende Linienführung. Geringe Ausbaugeschwindigkeit der Strecke (Kosten), Einfachheit der baulichen Anlagen, Zuverlässigkeit, Normierung der Bauwerke und -teile, Unterhaltungsarmut, große Leistungsfähigkeit, Angemessenheit der Nutzungszeiten und gute Abschirmung gegen Einflüsse der Umwelt
Hohe Betriebssicherheit (u.a. durch Kreuzungsfreiheit der Verkehrswege und Abschirmung der Umwelt von den Strecken und Verknüpfungspunkten), geringe Inanspruchnahme von Grund und Boden, Einpassungsfähigkeit in die Umwelt und Ästhetik der Gestaltung
FAHRZEUGTECHNIK
Einfachheit, hohe Zuverlässigkeit, Unterhaltungsarmut, niedriger Energieverbrauch, große Flexibilität, hohe Laufleistungen, hoher Automatisierungsgrad und gute Abschirmung gegen Einflüsse der Umwelt
Hohe Betriebssicherheit, Emissionsfreiheit, geringer Verbrauch an Naturschätzen und Ästhetik der Gestaltung
INFORMATIK
Hohe Zuverlässigkeit, hohe Leistungsfähigkeit, große Flexibilität, geringer Personalbedarf, Einfachheit der Anlagen, Normierung und Erweiterungfähigkeit der Bauteile, Unterhaltungsarmut, Verknüpfungsfähigkeit mit anderen Informatik-Netzen und gute Abschirmung gegen Einflüsse der Umwelt
Hohe Betriebssicherheit und gute Abschirmung zur Umwelt
1) Quelle: Schriftenreihe des Bundesministeriums
für Verkehr - Heft 42 - HSB, Seite 18
Hoermann-Verlag, Hof/Saale 1969
3.3 Mögliche Linienführung einer HSB
Nach der HSB-Studie ist für ein Hochleistungs-Schnellverkehrssystem in der ersten Ausbaustufe eine C-förmige Linienführung von 886 km Länge von Hamburg nach München vorgesehen, mit Bahnhöfen in den Räumen Bremen, Bielefeld, Dortmund, Köln.. Frankfurt/Main, Mannheim und Stuttgart. Als nächste Ausbaustufe sollte dann diese C Linie durch zusätzliche Verbindungen von Hamburg über Kassel, Frankfurt/Main, Nürnberg nach München zu einer 8-förmigen Linie mit einer Gesamtlänge von 1.658 km erweitert werden. Rechts sind diese Linien sowie Anschlußmöglichkeiten an den EG-Raum und andere Wirtschaftsgebiete dargestellt. (1)
Bild
1) Quelle: Schriftenreihe des Bundesministeriums
für Verkehr - Heft 42 - Seite 44
Hoermann-Verlag, Hof/Saale l969
3.4 Reisezeitvergleiche
Anhand des Bildes wird ein Vergleich von Reisezeiten mit verschiedenen Verkehrsmitteln dargelegt.
Das Bild zeigt typische Reisezeiten
- eines Intercity-Zuges (durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von 120 km/h einschl. Zwischenhalt)
- einer Hochleistungs-Schnellbahn (mit einer angenommenen Reisegeschwindigkeit von rund 270 km/h einschließ1ich Zwischenhalt)
- und eines Flugzeuges (mit einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von rund 700 km/h ohne Zwischenhalt)
und zwar von einem Wohngebiet "A" zu einem Reiseziel in der Stadt "B". Die Entfernung zwischen "A" und "B" soll 800 km betragen, was etwa der Entfernung Hamburg - München entspricht. Dabei wurden Vorschaltzeiten - basierend auf den Verhältnissen von München bzw. Hamburg - wie folgt berücksichtigt:
- Beim Intercity-Zug und bei der Hochleistungs-Schnellbahn beträgt die Vorschaltzeit insgesamt eine halbe Stunde vor Abfahrt des Zuges, die sich zusammensetzt aus 20 Minuten Zufahrt zum Bahnhof und l0 Minuten Warte- bzw. Sicherheitszeit vor der Abfahrt des Zuges.
- Beim Flugzeug wurde eine Vorschaltzeit von insgesamt einer Stunde angesetzt, davon etwa 30 Minuten Anfahrt zum Flughafen und weitere 30 Minuten Wartezeit am Flughafen bis zum Abflug. Wie aus der grafischen Darstellung zu ersehen ist, hat das Flugzeug wegen seiner hohen Reisegeschwindigkeit den Zeitverlust durch die grössere Vorschaltzeit gegenüber dem Intercity-Zug bereits nach l00 km Entfernung und die Hochleistungs-Schnellbahn bereits nach einer Entfernung von etwa 200 km eingeholt.
Der Reisende verliert allerdings bei der Benutzung des Flugzeuges wieder etwas Zeit durch die größeren Entfernungen des Flughafens von seinem Zuges, Reiseziel in der Stadt "B", so daß der Gesamtzeitbedarf für die Überwindung der Entfernung von der Wohnung in die Stadt "A" zum Ziel in Stadt "B" sich wie folgt ergibt:
- Intercity-Zug 7 Stunden
- Hochleistungs-Schnellbahn 4 Stunden
- Flugzeug 2 Stunden 40 Min.
Zusammenfassend ist zum Reisevergleich folgendes festzustellen:
- Für die unteren Entfernungsbereiche bis zu etwa 250 km würde die herkömmliche Eisenbahn auf ausgebauten Strecken oder neugebauten Strecken ausreichen.
- Für den Entfernungsbereich von 250 bis etwa 800 km klafft eine Lücke, die von einer Hochleistungs-Schnellbahn aufgefüllt werden könnte.
- Für die größeren Entfernungsbereiche über 800 km steht das Flugzeug zur Verfügung.
1) Quelle: Die Auswirkungen trassengefühter Hochleistungs-Transportsysteme auf den Kurz- und Mittelstreckenverkehr der Luftfahrt
Wulf-Diether Graf zu Castell
DVWG - Köln 1971 Seite 24
3.5 Welche Gründe sprechen für eine Hochleistungs-Schnellbahn
Eine Hochleistungs-Schnellbahn könnte als ergänzendes System zu den jetzt schon bestehenden Verkehrssystemen eine erhebliche Entlastung auf unseren Bundesautobahnen und Fernstraßen bringen, das sowohl im Personen- als auch im Gütertransport. Auch der innerdeutsche Luftverkehr würde entlastet, wenn die Abfertigungszeiten gering gehalten werden könnten.
Der Bau einer solchen Hochleistungs-Schnellbahn würde die Verkehrsverhältnisse zwischen dem nord- und süddeutschen Raum in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit, Reisezeit, Transportangebot, Fahrkomfort und Umweltbelastung wesentlich verbessern.
Durch eine hohe Fahrfrequenz und einer zielreinen Anfahrt käme man den Benutzerwünschen sehr nahe.
3.6 Umweltbelastung durch die Hochleistungs-Schnellbahn
Bei Magnetschwebefahrzeugen entfällt der Rad-Schienen-Lärm als dominierende Geräuschquelle. Bis zu etwa 300 km/h sind daher Fahrzeuge mit berührungsfreier Fahrtechnik sowohl im Spitzenpegel als auch im energieäquivalenten Schallpegel deutlich leiser als Rad-Schienen-Fahrzeuge, was inzwischen aus Messungen an Versuchsfahrzeugen abgeleitet werden konnte. Die sich hieraus ergebenden Vorteile der Schwebetechnik für das Durchfahren dichtbesiedelter Gebiete liegt auf der Hand.
Abschätzungen haben ergeben, dass der von Magnetschwebefahrzeugen erzeugte energieäquivalente Dauerschallpegel bei V= 400 km/h nicht höher als der von Rad-Schienen-Personenzügen bei 250 km/h sein wird. (1)
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